Interview mit
Prof. Dr. Markus Bühner, Dr. Matthias Spörrle und Dr. Matthias
Ziegler
Die LA ELFA zeigt, wer welche Medien nutzt
next! spricht mit Prof. Dr. Markus Bühner, Dr. Matthias
Spörrle und Dr. Matthias Ziegler vom TestLab, Department Psychologie,
Ludwig-Maximilians-Universität München, Institutsbereich
Psychologische Methodenlehre und Evaluation. Die Experten aus der
Methodenforschung sind verantwortlich für die wissenschaftliche
Korrektheit der LA ELFA 07/08, dazu zählen die Vorbereitung,
Konzeption und Supervision der Befragung sowie die Auswertung der
Datensätze.
next!: Warum gibt es die LA ELFA?
Prof. Dr. Bühner: Das Stichwort lautet hier
Reichweitentransparenz. Im Online-Bereich werden die Reichweiten
der einzelnen Medienangebote durch die IVW-Online gemessen, also
die tatsächlichen Klicks auf die jeweilige Internetseite. Bei
den Printmedien, die übrigens immer noch eine enorme Bedeutung
im Markt der professionellen Elektronik haben, ist das hingegen
weitaus komplexer. Die angegebenen Auflagenzahlen sagen nichts darüber
aus, ob die Zeitschriften auch tatsächlich gelesen werden,
sie sagen nur aus, wie viele verschickt worden sind. Viele dieser
Zeitschriften wandern aber ungelesen in den Papierkorb oder ins
Archiv. Auf der anderen Seite kommt es aber auch vor, dass eine
Zeitschrift weitergereicht wird, ein Exemplar wird also von mehreren
Personen gelesen. Um einen wirklichen Überblick über die
Leserschaft einer Zeitschrift zu gewinnen, ist es somit letztlich
unerlässlich, eine solche Befragung durchzuführen.
next!: Herr Dr. Spörrle, Sie waren schon
2005 zusammen mit den Fachleuten des ZVEI und FBDi in der technischen
Kommission bei der LA ELFA dabei. Was reizt Sie an der neuen LA
ELFA 07/08?
Dr. Spörrle: Für mich ist es natürlich
spannend zu sehen, wie sich der Markt seit der letzten Befragung
entwickelt hat. Hat sich die Anzahl der Entscheider durch die wirtschaftliche
Entwicklung in Deutschland verändert? Eine andere interessante
Frage: Wie hat sich die Konkurrenzsituation zwischen den einzelnen
Medien wie Internet und Printmedien entwickelt? Hier hat sich schon
bei der letzten Erhebung gezeigt, dass sehr viele Entscheider alle
Kanäle intensiv nutzen um sich zu informieren. Hat sich dieser
Trend weiter verstärkt? Hierzu wird unsere Befragung viele
neue Erkenntnisse bieten.
next!: Die LA ELFA 2005 sorgte für enorme
Resonanz bei den Werbetreibenden in der professionellen Elektronik.
Was kann die LA ELFA 07/08 leisten?
Dr. Spörrle: Zuerst bietet sie einen fundierten
Einblick in die Leserschaft von Elektronik-Printmedien: Welcher
Entscheider aus welcher Branche mit welchen Anschaffungsabsichten
liest welche Zeitschriften? Die durch die Befragung gewonnenen Daten
bieten hier sehr genaue Informationen, die für die Werbetreibenden
natürlich sehr relevant sind.
Außerdem haben wir die bewährte Klassifikation des Entscheiders
um ausgewählte psychologische Merkmale ergänzt. Wir gewinnen
so ein detaillierteres Bild vom Entscheider, ohne die Vergleichbarkeit
zu früheren Studien zu verlieren.
next!: Wodurch unterscheiden sich die Studien
LA ELFA 2005 und LA ELFA 07/08 inhaltlich?
Prof. Dr. Bühner: Wir haben uns natürlich
sehr an die Konzeptionalisierung der vorhergehenden Studie gehalten,
nicht nur um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten, sondern
auch weil die damalige Durchführung nach den Kriterien und
Richtlinien der Marktforschung erwiesenermaßen makellos war.
Dr. Ziegler: Zusammenfassend kann man sagen, wir
haben die Erfassung der allgemeinen Mediennutzung im Vergleich zur
vorhergehenden Studie deutlich verbessert. Wir werden dadurch relativ
genau spezifizieren können, wer welche Art von Medien nutzt.
Auch haben wir uns mit Meinungsführerschaft beschäftigt
und werden nun erstmals Hinweise darauf geben können, welche
Medien von den Personen genutzt werden, deren Meinung innerhalb
ihres Unternehmens besonders zählt.
next!: Bereits 2001 kam es zur ersten titelübergreifenden
Reichweitenuntersuchung im Elektronik-Markt. Es folgten die LA ELFA
2003 und die LA ELFA 2005. Jetzt ist mit der LA ELFA 07/08 schon
die vierte Ausgabe präsent. Warum gibt es diesen Zweijahresrhythmus?
Dr. Ziegler: Dies ist ein vernünftig gewählter
Zeitraum. Die Medienbranche im Bereich Elektronik ist insgesamt
relativ stabil, viel stabiler beispielsweise als die Community von
Internetforen und Blogs, bei denen sich sehr rasch Änderungen
sowie neue Lesetrends ergeben und Gerüchte die Runde machen.
Gleichwohl ergeben sich auch aufgrund der zunehmenden Medienflut
im Elektronik- Markt auch relativ kurzfristige Entwicklungen, auf
die es zu reagieren gilt. Mit einer Befragung beispielsweise in
einem vierjährigen Rhythmus wäre es nicht getan.
Dr. Spörrle: Generell wichtig bei Marktstudien
ist auch die Kontinuität der Befragung: Es ist kein Geheimnis,
dass man mit der gewählten Formulierung einer Frage, den vorgegebenen
Antwortkategorien und dem Kontext, in dem die Frage eingebettet
ist, die Antworten in eine bestimmte Richtung lenkt, das ist gar
nicht vermeidbar. Allerdings reduziert dies die Aussagekraft einer
Untersuchung die zum ersten Mal stattfindet, denn die dabei gewonnenen
Ergebnisse sind häufig nicht direkt mit denen anderer Studien
vergleichbar. Durch die Standardisierung der Befragungsabläufe
in der Marktforschung wird diese Problematik glücklicherweise
schon reduziert, ganz ausschalten kann man das jedoch nicht. Nur
durch eine kontinuierliche Befragung unter gleichen Erhebungsbedingungen
kann man Trends verlässlich nachweisen.
next!: Gemeinsam mit den Fachleuten des ZVEI und
FBDi haben Sie bei der LA ELFA 2005 den Begriff des "Elektronik-Entscheiders"
in den einzelnen Funktionsbereichen mit Leben erfüllt. Wo sehen
Sie zusammengefasst die Hauptunterschiede im Informationsverhalten
von Entwicklern auf der einen und Einkäufern oder Managern
auf der anderen Seite?
Dr. Spörrle: Sowohl Entwickler, als auch
Einkäufer und Manager sind an Kaufentscheidungen beteiligt.
Sie unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Funktion in diesem
Prozess und dementsprechend auch in ihrem Informationsverhalten.
Der Entwickler achtet unter anderem besonders auf Spezifikationen
und Leistungsmerkmale des Produkts. Für den Einkäufer
ist hingegen die Abwicklung des Geschäftsvorgangs relevant,
ihn interessieren Bestell- und Versandmodalitäten sowie Serviceaspekte.
Der Manager schließlich möchte sicherstellen, dass die
Lösung preislich optimiert ist und dass das Produkt so geliefert
wird, dass die Geschäftsprozesse nicht zeitlich behindert werden.
next!: Wir danken Ihnen für dieses Interview
und sind gespannt auf Ihre Ergebnisse.
Über TestLab:
Die Ausrichtung von TestLab basiert auf wissenschaftlichen und praxisorientierten
Standards (DIN 33430). Dazu gehören Expertise bei der Fragebogenerstellung,
Anforderungsanalyse, Diagnostik von Fähigkeiten, Beratung bei
der Auswahl psychologischer Testverfahren und der Evaluation von
Fragebögen und diagnostischen Prozessen. Zudem verfügt
das TestLab über ein eigenes computergestütztes Untersuchungslabor,
welches mit modernen psychologischen Testsystemen zur Erfassung
von kognitiven Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften
ausgerüstet ist.
Nutzen von TestLab:
• Vorteil durch Nutzung aktueller Forschungsergebnisse
• Hohe Qualitätsstandards
• Unabhängige Beratung ohne kommerzielle Verpflichtungen
• Beratung durch qualifizierte Mitarbeiter
• Hoher technischer Standard (aktuelle Tests und Software)
Quelle des Interviews:
next! DER AKTUELLE INFORMATIONSDIENST FÜR MEDIAENTSCHEIDER,
Ausgabe Dezember 2007
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